Saisonabschluß in Südtirol 2016 – Schlaneid

 

21. – 23.10.

21.10.

Trotz eher „kalter“ Wetterprognose zur Abschlußfahrt entschlossen. Los bei Nieselregen, recht frisch. Trotz neuem Ladegerät und laden Starthilfe für Volkers BMW. Los um 14h in voller Regenmontur, war aber gut so, denn streckenweise war es bitterkalt. Hinter Scharnitz regnete es kurz richtig, danach blieb es trocken.

Gut durch Innsbruck gekommen, alte Brennerstraße toll zu fahren, absolut nichts los. Wir hatten geplant, oben am Brenner bei der Shell zu tanken, leider wurde die komplett umgebaut, also umkehren und mit gemischten Gefühlen zur OMV runtergefahren (würde die BMW wieder anspringen? Von der Shell hätte man sie anrollen lassen können.) Tanken geht ja immer schnell, aber bis man wieder alles anhat – kommen erst um 16.40h weiter, BMW sprang an.

Viele große Baustellen auf der Bundesstraße bis Bozen. Man kommt halt einfach nicht vorwärts. Und manche LKW fahren wie die Henker. Kleiner Stau in Bozen, auf die Schnellstraße bis Terlan, da eine ganz tolle Straße nach Mölten – Schlaneid hinauf. Breit genug, schöne Kurven, guter Belag. Um 18.45 am Schlaneiderhof. Super gelegen, Blick auf Bozen und Berge. Zimmer sind nett, super Essen(!), wie immer, zuviel. Sind jetzt am Zimmer, Balkonsitzen ist leider nicht, zu kalt draußen. Die Anfahrt war jedenfalls nicht so schlimm wie erwartet. Lief gut, vor allem ab Innsbruck trocken! 261km

 

22.10.

Ich habe halbwegs gut geschlafen, Volker nicht so, die Betten sind gut, vernünftige Matratzen. Gutes Frühstück, guter Kaffee, echte Milch. Los um 10h, Volker muss anrollen lassen. Das war auch ein Auswahlkriterium für unsere Quartierwahl, da ja die Batterie bekanntermaßen hin ist. Die Straße ins Tal ist toll zu fahren. Über Terlan – Eppan zum Mendelpass (nächste Woche wäre er gesperrt gewesen). Einmal rauf und runter, nix los, super. Weiter über Auer – Passo San Lugano – Castello – Passo Manghen.

 

Unten noch die Fleece angezogen und Mützlein auf. So war es besser. Ungestört den Pass hinauf, Stop an der Malga (noch geöffnet) und Pause oben. Sehr frisch. Auf der Straße weder Eis noch Schnee, aber auf ca. 2300m fängt der Schnee auf den Bergen an. Ungestört hinunter (13h) und über Telve – Castelnuevo (über Scurelle wäre auch richtig) – Strigno nach Bieno und Passo Forcella zum Passo Brocon, Fotostop und weiter. Von Canal San Bovo durch den Tunnel Richtung Imer – Fiera di Primiero. An der Ortsausfallstraße „billige Tankstelle“ (1,40€), also getankt.

 

Ab hier wurde es schicksalhaft. Trotz längerer Fahrt und obwohl sie am Manghen angesprungen ist – nach dem Tanken sprang Volkers BMW nicht an. Es war zwar leicht abschüssig, reicht aber nicht zum Anschieben. Also parken und Starthilfe. Geht prinzipiell gut, dauert halt etwas. Endlich um 15.30h weiter. Am Ortsende dann ein großes Schild, dass die Strecke vom Rollepass auf der anderen Seite nach Bellamonte gesperrt ist. Wir entschieden uns über die Umfahrung via Passo Valles und Passo San Pellegrino, 80 km Umweg (anstatt umkehren und wieder zurück). Ich sehe meine Wellnesssauna vor dem Abendessen schwinden. Noch kurze Pause am Fuße des Rollepass, und dann passierte es: ich rutschte aus und fiel auf einen Stein, mit dem Gesicht voran. Das Gute: ich konnte die Fallrichtung noch ein klein wenig korrigieren und bin nicht mit dem ganzen Kopf auf den großen Stein vor mir, sondern „nur“ unterhalb des Jochbeins auf einen kleineren Stein daneben geprallt.

 

Schock! Gottseidank konnte ich sofort wieder aufstehen und ging etwas benommen zum Moped. Im Spiegel gesehen, dass ich Abschürfungen auf der Wange und Nase habe, es schmerzte ziemlich. Aber es ist keine Platzwunde und blutet nur ganz wenig. Das beruhigte mich sehr, denn ich musste ja noch gut 120km fahren! Mir war aber gleich klar, dass ich wahnsinniges Glück gehabt hatte. Es hätte furchtbar ausgehen können. Gesicht noch mit kaltem Wasser und Tempos gekühlt. Daneben läuft ständig die BMW, wir wollten ja nicht noch mal Starthilfe machen. Und dann sowas! Während ich mich wieder etwas sammelte, fuhr Volker eine kleine Runde zur Abkühlung des Motors. Dann sind wir weiter. Der Helm passte auf den Kopf (schon wieder Glück), Visier musste aber offen bleiben, damit die Backe gekühlt wird.

 

Fahre zunächst etwas wackelig, aber guten Mutes, denn mir geht es soweit gut. Den Rollepass ohne weitere Probleme rauf, Fotos gemacht, weiter zum Passo Valles – toller Blick von unten auf die Pala – müssen da wieder hin. Weiter zum Passo San Pellegrino, der ist Anfangs steil mit ein paar Kurven, der Rest ist ziemlich gerade. Immer wieder nette Blicke, die hohen Berge verstecken sich leider in Wolken. Die Abfahrt nach Moena ist die ganze Zeit auf 50 bzw. 60km/h beschränkt, macht wenig Spaß. Moena – Predazzo – und fast ungestört über den Lugano nach Auer – Kaltern – Andrian – zur Bergstraße nach Schlaneid. 18.30h im Hotel, keine Wellness mehr, völlig erledigt. Duschen und ungeschminkt in den Speisesaal, viel gegessen und mein großes Glück durchgesprochen – es hätte wirklich schlimm ausgehen können. Das Schienbein hatte ich mir auch angehauen, wird schon blau. Morgen wird auch interessant, mal sehen, was mein Gesicht so macht, davon hängt aber ab, wie wir heimfahren (direkt oder mit Umwegen). Auf jeden Fall bleibt der 22.10.2016 ein denkwürdiger Tag für mich, fast ein zweiter Geburtstag.

Sonst schöner Ausflug, herrliche Herbstwälder, wenig Verkehr, alles (fast) trocken, durch den Sturz ein wenig getrübt. 363km

 

23.10.

Durchwachsene Nacht, aber eine von den besseren. Meine linke Gesichtshälfte ist etwas bunt und geschwollen, es schmerzt ein wenig wenn ich lache, aber sonst fehlt nichts. Gemütlich gefrühstückt, gepackt, los um 10.45h mit anrollen. Fahrt bis Mölten, dann umgekehrt und nach Hafling zum tanken. Volker ließ die BMW laufen, meine sprang ja an. Dann zurück zur Kreuzung und ab nach Jenesien. Kleine Straße bis Mölten (oben entlang), links nach Jenesien. Nette Gegend, Wald, immer wieder Blicke nach unten. Ohne Sonne war es frisch, ich habe noch das Fleece angezogen. Irre Autofahrer.

 

Runter nach Bozen und links zur Sarntaleinfahrt, das war nicht weit. Da wurde wohl ein neuer Tunnel durch die Schlucht gebaut, schade, die Strecke war interessant. Im Sarntal war wenig los, zur ersten Tankstelle hätten wir es nicht mehr geschafft, fast 50 km. Hinter Pens die Mütze aufgesetzt, Volker das Fleece an – keine Sonne, sehr kalt. Penserjoch ist im Winterhalbjahr nur von 8-18h offen. Straße war trocken, auch oben, aber Schnee auf den Bergen. Kurze Fotopause und weiter. Nochmal Pause – immer mit laufender BMW. Die Abfahrt war auch gut und auch die Nordseite war weitgehend trocken. Hinauf zum Brenner war etwas mehr Verkehr. Runter nach Innsbruck, dann zur Abwechslung mal Richtung Axams – Kematen. Blöde, verwirrende Abbiege nach Axams, Autobahngefahr!

 

Dann über Kematen – Zirl – Telfs auf den Buchner Sattel. Im Brennertal bis hinter Innsbruck war es sonnig, sehr windig, eher warm, ab dem Inntal war es wieder stark bewölkt und kühl. Über Mittenwald – Krün – zum Walchensee. Viele Ausflügler parkten noch, aber es war schon viel los. Ein paar Autos überholt, aber ab Urfeld war das sinnlos. Schön langsam bis Kochel, ab da ging es nochmal flott. An zu Hause fast nonstop um 16.30h. Bin geschafft. Aber es war eine tolle Saisonabschlußfahrt (sehr viel mehr zu fahren, wäre nicht gegangen, da mein Vorderreifen abgefahren ist). Aber – bis auf die Widrigkeiten – die Tour war super und nicht zu toppen. Straßen waren für Herbst optimal und wir hatten viele schöne Kurven mit wenig Verkehr. Gute Unterkunft, qualitativ sehr gutes Essen. Nette Leute, schöne Lage. 306km

Gesamt Tour-km: 930